
Nach dem Tod ihres Mannes räumt eine Frau die Schubladen aus. Der Notar hat angerufen, die Sache mit dem Konto ist erledigt. In der oberen Schublade des Sekretärs liegt die Uhr seines Vaters, mit gesprungenem Glas, die nie richtig ging. Sie schreibt an Reinhard, den Bruder ihres Mannes.
Bei der Beerdigung hat Reinhard leise nach der Uhr gefragt, fast nebenbei. Auf ihrer Rückseite steht eine Gravur, so klein, dass man sie kaum lesen kann: die Namen der beiden Brüder, in einer Reihe. Und in der Schublade darunter findet sie einen Zettel in der Handschrift ihres Mannes, mit Telefonnummern, durchgestrichen und neu geschrieben.
Ein Brief über zwei Menschen, die denselben Mann geliebt haben, über ein leises Ringen, das vierzig Jahre gedauert hat, und über eine Uhr, die vielleicht wieder geht, wenn jemand sie ernst nimmt.

























