
Beim Ausräumen des Badezimmers seiner Mutter findet ein Mann von einundsechzig im Spiegelschrank den Rasierpinsel seines Vaters. Dachshaar, ein Griff aus vergilbtem Holz, daneben die flache Steingutschale mit dem Sprung am Rand. Sechsundvierzig Jahre hat die Mutter ihn dort stehen lassen.
Der Vater ist mit neununddreißig gestorben, als der Sohn vier war. Seit zweiundzwanzig Jahren ist der Sohn nun älter, als sein Vater je geworden ist. Er hat Fotos und die Sätze seiner Mutter, aber kein Gesicht, keine Stimme, keinen Geruch. Also stellt er sich vor, wie der Vater morgens am Becken stand und den Pinsel in der Schale kreisen ließ, und merkt dabei, dass er es erfindet.
Ein Brief an einen Vater, den man nie kennengelernt hat, über die Tage, die es mit ihm gegeben hätte, und über eine leere Schale, die trocken bleiben darf.

























