
Mit neunzehn musste sie ihre Tochter zur Adoption freigeben. Heute, beim Umzug, findet die Mutter ganz hinten in einer Schublade eine Schachtel mit zwei Postkarten und dazwischen, flach gedrückt, ein schmales Krankenhausarmband aus Plastik. Sie schreibt der Tochter, die sie nie kennengelernt hat.
Das Armband ist vergilbt, an einer Stelle fast durchsichtig, aber die eingeprägten Buchstaben kann man noch lesen: ihr Mädchenname, ein Datum, ein Gewicht, drei Komma zwei. Behalten durfte sie damals nichts. Das Band hat sie genommen, als gerade keiner hinsah. Seitdem hat sie sich vorgestellt, was aus dem Kind geworden ist, und fremden jungen Frauen in Geschäften zu lange nachgesehen.
Ein Brief über eine junge Mutter, die selbst noch ein Kind war, über dreißig Jahre Schweigen und über eine Schachtel, die sie beim Umzug selbst tragen will.

























