
Das Elternhaus soll verkauft werden, und zwischen den Kisten mit dem Geschirr der Mutter findet eine Frau auf dem Dachboden die alte hölzerne Spieldose mit der Ballerina. Sie schreibt an ihre Schwester Helga, die vor Jahrzehnten ausgewandert ist.
Die Spieldose stand früher auf dem Fensterbrett im Kinderzimmer, zwischen den beiden Betten. Die Kurbel hakt, die Ballerina ist in der Taille geknickt, und in der Melodie fehlt ein Ton. Der Vater hat nachts an die Wand geklopft, weil Helga sie nicht ausstellen wollte. Zerstritten haben sich die Schwestern nie. Erst wurden die Briefe kürzer, dann blieben nur noch Karten zu Weihnachten, und irgendwann nicht einmal die.
Ein Brief über zwei Schwestern, eine Kindheit in einem Zimmer und eine Lücke in der Melodie, die man nicht mehr hört, wenn man sie lange genug kennt.

























