
Vor zwanzig Jahren, an einem kalten Februarabend, saß ein junger Mann auf einem Bahnsteig vor der Stadt auf dem Boden, an einen Pfeiler gelehnt. Eine fremde Frau stieg aus dem Zug und legte ihm wortlos ihren Mantel über die Schultern. Heute schreibt er ihr, ohne Namen und ohne Adresse.
Der Mantel war dunkelblau, zu eng und roch nach kaltem Rauch. Sie hat nicht gefragt, ob alles in Ordnung ist, sie hat nur ein paar Schritte weiter gestanden und ab und zu herübergesehen. Dann kam ihr Zug, und der Mantel blieb auf seinen Schultern. Seitdem hängt er in seinem Flur, nie gereinigt, und am Saum fehlt der unterste Knopf.
Ein Brief an eine Unbekannte über eine kleine Geste an einem der schwersten Abende eines Lebens und über all die Tage danach, die einfach nur Tage sind.

























