
Ein pensionierter Deutschlehrer löst seine Bibliothek auf. Achtzehn Kartons stehen im Flur, und ganz unten in einer Kiste liegt ein schmaler Roman mit abgestoßener Ecke. Er gehört Annika, einer Schülerin aus seinem Leistungskurs, und nach dreißig Jahren schreibt er ihr.
Sie hatte das Buch schon dreimal gelesen, bevor es auf dem Lehrplan stand, in der Bahn, im Bett, im Bus. Er hat es ihr für eine Woche abgenommen und vollgeschrieben: Randnotizen, Pfeile, die Symbolik der Farben. Als er es zurückgab, hat sie einen einzigen Satz gesagt und das Buch nicht mehr mitgenommen.
Ein Brief über einen Lehrer, eine Schülerin und darüber, was ein Satz im richtigen Moment bei einem Menschen bewegen kann. Das Päckchen ist schon in braunes Papier geschlagen, mit einem ordentlichen Knoten.

























