
Die Mutter liegt im Hospiz, und die Tochter räumt ihre Wohnung. Im Flur stehen noch die braunen Winterschuhe, und an ihnen bleibt sie hängen. Die Sohlen sind durchgelaufen, auf dem Leder sitzt ein weißer Salzrand, der sich nicht wegwischen lässt.
Dreimal standen die Schuhe schon in der Tüte für den Container, dreimal hat sie sie wieder herausgenommen. Sie kennt jedes Detail: den schief abgelaufenen rechten Absatz, die feinen Kratzer an den Spitzen, die alte Keksdose mit dem Schuhputzzeug, das nie benutzt wurde. Eine Mutter, die oft nicht da war, und eine Tochter, die dieses Paar Schuhe besser kennt als manches andere an ihr.
Ein stiller Brief über eine schwierige Mutter, einen Abschied im Hospiz und darüber, was man in Dingen lesen kann, die nichts erzählen.

























