
Ein Stadtrad, achtundzwanzig Zoll, Zustand nach eigener Einschätzung besorgniserregend. Seit dem Frühjahr hat es einen leichten Achter im Hinterrad, die Kette hat sich gelängt, und die Reifen verlieren jede Woche ein wenig Luft, auch ohne Loch. Das sei völlig normal, heißt es. Das beruhigt es kein bisschen.
Die Welt erfährt es über Sattel, Lenker, Pedale und Reifen: Asphalt flüstert, Kopfsteinpflaster schimpft, Kies redet dazwischen. Merle kennt es vom Sattel aus: montags auf der Spitze, donnerstags tief und gleichmäßig, und freitags nimmt sie auf der langen Geraden die Hände vom Lenker. Es erzählt von seinem Urahn, der Laufmaschine des Karl von Drais aus dem Jahr 1817, erfunden nach einem Sommer, der keiner war, und von einer Taube, die es zuerst für ein sehr leichtes Kind gehalten hat.
Eine Folge über ein Fahrrad, das die meiste Zeit nur steht, und über einen Dienstagabend im Dezember, an dem ihm im Regen die Luft ausgeht.





















