Bevor es Geschichte war
Folge 6

Was das Eis sich holt

Oktober neunzehnhundertfünfzehn: Das Packeis zerdrückt die Endurance, und achtundzwanzig Männer stehen auf einer Scholle mitten im Weddellmeer. Ihr einziger Weg führt über das Eis, durch den Sturm und über ein Gebirge, das noch niemand überquert hat.

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32:28

Mit Arne und Merle

Zwei Pfund darf jeder Mann mitnehmen, als das Packeis im Oktober 1915 die Endurance zerdrückt. Ernest Shackleton wollte als Erster die Antarktis zu Fuß durchqueren, jetzt stehen 28 Männer auf einer Scholle im Weddellmeer, mit Zelten, Schlitten und drei Booten. Neben ihm stehen Frank Wild, sein Stellvertreter, und Frank Worsley, der Kapitän.

Shackleton lässt Goldmünzen in den Schnee fallen und reißt Seiten aus einer Bibel. Der Zimmermann Harry McNish hängt an einem getigerten Kater namens Mrs Chippy und hält nichts von Befehlen ohne Schiff. Der Fotograf Frank Hurley zerschlägt seine eigenen Glasplatten auf dem Eis, damit er es sich nicht anders überlegt. Später sitzen sechs Männer in einem offenen Boot von knapp 7 Metern, und Tom Crean kocht heiße Milch für alle, damit einer nicht merkt, dass sie für ihn ist.

Eine Folge über Führung und Glück, über den Satz „Was das Eis sich holt, behält das Eis“ und über die Frage, was Menschen zusammenhält, wenn es keinen vernünftigen Grund mehr gibt, zu hoffen.

  • Ernest Shackleton
  • Antarktis
  • Polarexpedition

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Mit Arne und Merle

Ein Hauptmann mit grauem Schnurrbart hält am 16. Oktober 1906 an der Militär-Schwimmanstalt Plötzensee ein paar Gardegrenadiere an und übernimmt sie „auf allerhöchsten Befehl“. Seine Uniform hat Wilhelm Voigt, Schuster aus Tilsit und fast 3 Jahrzehnte im Zuchthaus, Stück für Stück bei Trödlern zusammengekauft. Am Nachmittag steht er mit etwa 10 Soldaten im Rathaus von Köpenick vor Bürgermeister Georg Langerhans, der eine Legitimation verlangt.

Voigt rügt eine schiefe Koppel, und der Gefreite ist sicher: „Das ist ein echter.“ Am Bahnhof spendiert er jedem eine Mark für Bier und Bockwurst, aber nur eine Bockwurst, schließlich ist man im Dienst. Wochen zuvor hält seine Schwester Bertha Menz in Rixdorf einen Brief der Polizei gegen die Lampe: Ausweisung aus Berlin, als „lästiger Ausländer“. Nachts übt Voigt vor einem gesprungenen Spiegel das Brüllen. Im Rathaus lässt er das Postamt sperren, und der Rendant von Wiltberg zählt die Stadtkasse auf den Pfennig und besteht auf einer Quittung.

Eine Folge über einen Mann ohne Papiere, einen Rock vom Trödler und die Frage, warum Menschen einer Uniform gehorchen, auch wenn alles andere dagegen spricht.

  • Wilhelm Voigt
  • Kaiserreich
  • Gehorsam
29:47

Mit Arne und Merle

Acht weiße Mäuse bekommen an einem Samstag im Mai 1940 in Oxford eine tödliche Dosis Streptokokken. Die deutsche Armee rückt auf den Ärmelkanal zu, und Howard Florey, Ernst Chain und Norman Heatley wollen wissen, ob ein Stoff aus Schimmel im Körper wirkt. Entdeckt hat ihn Alexander Fleming zwölf Jahre zuvor in London, auf einer verunreinigten Schale, zu der er nur sagte: „Das ist komisch.“

Heatley wacht die Nacht über bei den Käfigen und zählt. Weil keine Firma im Krieg Zeit hat, wird das Institut zur Fabrik: Der Schimmel wächst in Milchkannen und Bettpfannen, eine Türklingel meldet, wenn eine Flasche voll ist. Für den Fall einer Invasion reiben die Forscher Sporen ins Futter ihrer Mäntel. Und als der Polizist Albert Alexander schwer krank im Radcliffe Infirmary liegt, radelt der junge Arzt Charles Fletcher nachts Flaschen mit Urin ins Labor, weil darin das Mittel steckt, von dem es zu wenig gibt.

Eine Folge über Penicillin, über einen Blick auf eine Schale und die Menschen, die daraus ein Medikament machen wollen, und über die Frage, warum dazwischen zwölf Jahre liegen.

  • Penicillin
  • Alexander Fleming
  • Medizin
30:29

Mit Arne und Merle

1714 verspricht das britische Parlament zwanzigtausend Pfund für eine Methode, mit der ein Schiff auf See seinen Längengrad bestimmen kann. Ein Zimmermann aus Lincolnshire, der sich das Uhrmachen selbst beigebracht hat, setzt ein halbes Leben daran: John Harrison.

Seine ersten Uhren baut er aus Holz, weil Pockholz sich selbst schmiert. In London leiht ihm der berühmte Uhrmacher George Graham Geld, ohne Zinsen und ohne Sicherheit, weil er Späne unter den Fingernägeln hat. Auf der ersten Probefahrt ist Harrison so seekrank, dass er kaum aus der Hängematte kommt, und trotzdem weiß seine Uhr besser als die Offiziere, wo das Schiff ist. Jahrzehnte später liegt seine vierte Uhr, kaum größer als eine Untertasse, in einem Kasten mit vier Schlössern auf einem Kriegsschiff nach Jamaika. Mitfahren muss sein Sohn William.

Eine Folge über einen Uhrmacher und die Astronomen, über einen Vater und seinen Sohn und über die Frage, wem eine Idee gehört, wenn sie funktioniert.

  • Seefahrt
  • Uhrmacher
  • Längengrad
30:31

Mit Arne und Merle

Hollywood, 1940. Hedy Lamarr ist fünfundzwanzig und seit dem Film Algiers ein Star, die Werbung nennt sie die schönste Frau der Welt. Nachts aber sitzt sie an einem Zeichentisch und erfindet. Bei einem Abendessen lernt sie den Komponisten George Antheil kennen, und die beiden beginnen, an einer Idee zu arbeiten: einer Funksteuerung für Torpedos, die der Gegner nicht stören kann.

Die Lösung finden sie ausgerechnet in einer Klavierrolle. Antheil hatte in Paris einmal ein Stück für sechzehn selbstspielende Klaviere geschrieben, die nie im Takt bleiben wollten. Achtundachtzig Lochreihen, achtundachtzig Frequenzen, und Sender und Empfänger springen gemeinsam von einer zur nächsten. Dazwischen erzählt die Folge von Hedwig Kiesler aus Wien, von ihrer Ehe mit einem Waffenfabrikanten, der ihre Filmkopien aufkaufen ließ, und von einem Filmmogul, der ihr auf einem Ozeandampfer einen neuen Namen gab.

Eine Folge über ein Patent, das kaum jemand las, über eine Frau, die man vor allem ansah, und über die Frage, was es braucht, damit jemand als Erfinderin ernst genommen wird.

  • Hedy Lamarr
  • Erfindung
  • Hollywood
31:24

Mit Arne und Merle

Paris im Dezember 1911. Auf dem Tisch liegt ein Brief aus Stockholm. Marie Curie soll ihren zweiten Nobelpreis bekommen, und man legt ihr nahe, lieber nicht zur Verleihung zu kommen. Um zu verstehen, was sie antwortet, geht die Folge dreizehn Jahre zurück.

Zu einer Messung, die nicht aufgeht: Ein schwarzes Uranerz strahlt stärker, als es dürfte. Zu einem Schuppen mit undichtem Glasdach, in dem Marie die Rückstände aus Tonnen von Erz verarbeitet und die kochende Masse mit einer Eisenstange rührt, die fast so groß ist wie sie selbst. Zu Glasröhrchen, die abends im Dunkeln bläulich schimmern, und zu Pierre Curie, der seine eigene Forschung liegen lässt, um mit ihr ein Element zu suchen, das in keiner Tabelle steht. Und noch weiter zurück nach Warschau, zu zwei Schwestern mit einem Pakt, weil das Geld nur für ein Studium reicht.

Eine Folge über Radium und Polonium, über eine Wissenschaftlerin, die innerhalb weniger Wochen zur öffentlichen Zielscheibe wird, und über eine Entscheidung an einem Abend im Dezember.

  • Marie Curie
  • Nobelpreis
  • Radioaktivität
29:41

Mit Arne und Merle

Paris, Montag, der 21. August 1911. Der Louvre ist geschlossen, über der Stadt liegt eine Hitzewelle, und durch die Gänge geht ein kleiner Mann im weißen Arbeitskittel, der hier gar nicht mehr arbeitet. Wenige Minuten später hängen im Salon Carré nur noch vier eiserne Haken an der Wand. Mehr als einen Tag lang merkt niemand, dass die Mona Lisa fehlt.

Unter Kennern galt sie damals längst als Meisterwerk, die meisten Touristen aber gingen an ihr vorbei zur Venus von Milo. Mit dem Diebstahl ändert sich das. Die Menschen stehen Schlange, um eine leere Stelle an der Wand zu sehen, darunter zwei junge Männer aus Prag, von denen einer Franz Kafka heißt. Die Polizei jagt einem Fingerabdruck nach, die Kabaretts spotten, und ein junger Maler namens Pablo Picasso bekommt Angst, denn unter seinen Hemden liegen seit vier Jahren zwei Steinköpfe aus dem Louvre.

Eine Folge über die gut zwei Jahre, in denen die Mona Lisa verschwunden war, über einen Dieb, dessen Namen kaum jemand kennt, und über die Frage, wie aus einem kleinen Bild auf Pappelholz das berühmteste Gemälde der Welt wurde.

  • Mona Lisa
  • Louvre
  • Kunstraub
31:40