
Mit Kerstin
Neben der Tasse mit den Erdbeeren liegt um fünf nach fünf ein Handy, das nicht ihr gehört. Kerstin sitzt vor der Frühschicht an der Supermarktkasse in der Küche und liest den Zettel ihres Sohnes Levin: Code 4116, Ordner Vulkane. Er schläft nebenan, mit dem Hund Keks unter der Decke, und sie redet mit ihm.
Im Ordner liegen 140 Screenshots mit Datum. Der erste stammt vom Tag seines Vulkanreferats im September, nachdem die Küche drei Abende lang voller Pappmaschee war und aussah wie Pompeji. Die meisten Kinder aus dem Klassenchat kennt Kerstin, zu seinem 10. Geburtstag hat sie ihnen Muffins mit Smarties gebacken. Dann findet sie ein Foto von sich selbst, in der Weste an der Kasse, und denkt an die Mutter, deren Katzenfutter sie jeden Freitag scannt.
Eine Folge über eine Mutter, die im Morgengrauen zwei Monate zurückzählt, über Nachbarskinder auf der falschen Seite und über einen Jungen, der allein Beweise gesammelt hat. Eine erfundene Geschichte, gesprochen mit künstlicher Stimme.




