
Mit Dennis
Das Glas läuft über, und Dennis lässt den Hahn einfach weiterlaufen. Er ist 37, Koch in einer Versicherungskantine in Deutz und trommelt im Karneval. Um halb fünf steht er in der Küche, Ayla schläft, und er redet mit seiner neuen Niere. Sie sitzt unten rechts im Bauch und stammt von seiner Frau.
Sechs Jahre Dialyse liegen hinter ihm: dreimal die Woche, je vier Stunden, mit 89 Fliesen an der Decke. Jeden Morgen hat er 750 Milliliter in einen Messbecher gefüllt und mit Edding Striche auf die Flasche gemalt. Die Soßen für 300 Essen hat er abgeschmeckt und wieder ausgespuckt. Gegen den Durst halfen gefrorene Weintrauben. Jetzt soll er 3 Liter am Tag trinken. Am Kühlschrank hängt eine Strichliste für jeden Gang zum Klo, und 3 Bananen liegen bereit.
Eine Folge über einen Durst, der endlich gestillt werden darf, über eine Frau, die ihre Niere anbietet wie einen geliehenen Schirm, und über einen Mann, der vor Sonnenaufgang zum ersten Mal die Amsel im Hof hört. Eine erfundene Geschichte, gesprochen mit künstlicher Stimme.




