Georg lebt allein, und sein Morgen hat eine feste Ordnung: Kaffee, Zeitung, danach vielleicht den Keller aufräumen. Auf dem Tisch liegt ein Zettel in seiner Handschrift, darauf steht „Vergiss Lukas nicht“. Er weiß nicht, wann er ihn geschrieben hat. Als er das Fenster öffnet, antwortet ihm eine kühle Stimme.
- Georg
- Georg Leitner, sechzig, lebt allein. Er sagt, alte Männer reden eben mit sich selbst.
- Der Richter
- Eine Stimme in Georgs Kopf, kühl und genau. Sie kennt Daten und Uhrzeiten.
- Der Wütende
- Eine zweite Stimme, rau und laut. Sie fühlt sich seit dreißig Jahren unten gehalten.
- Lukas
- Sein Name steht auf dem Zettel, den Georg am Morgen findet.
- Der Flüsterer
- Die leiseste der Stimmen, sanft und ganz nah am Ohr.
- Frau Kessler
- Georgs Nachbarin. Sie hat ihn laut reden gehört und klingelt.
Gut zu wissen
- In Befragungen der Weltgesundheitsorganisation mit über 31.000 Erwachsenen aus 18 Ländern hatten 2,5 Prozent schon einmal Stimmen gehört, die sonst niemand hörte, wach und nüchtern. Bei gut der Hälfte von ihnen kam das höchstens fünfmal vor.
- Die Stimmenhörer-Bewegung begann 1987 in den Niederlanden: Der Psychiater Marius Romme und seine Patientin Patsy Hage traten im Fernsehen auf und beschrieben Stimmenhören als verbreitete menschliche Erfahrung, die belasten kann.