Zwei Uhr vierzehn, dritter Tag der Proteste, drei Stockwerke unter der Erde. An einem ovalen Tisch voller Brandflecken legt Martin Kowalski dem General Viktor Dašić eine Rücktrittserklärung vor, daneben liegt Viktors eigener Füller. Der Sekundenzeiger der Wanduhr ist hängen geblieben. Draußen dröhnt die Menge, hunderttausend Stimmen.
- Martin Kowalski
- Vierundvierzig, Verfassungsrechtler, seit achtundvierzig Stunden gewählter Übergangspräsident.
- Viktor Dašić
- Zweiundsechzig, General und seit vierzehn Jahren Staatschef. Sein Militärmantel sitzt, als wäre Parade.
- Erzähler
- Begleitet die beiden durch die Nacht im Bunker.
Gut zu wissen
- Ab Februar 1989 saßen in Polen Regierung, Gewerkschaft Solidarność und katholische Kirche an einem Runden Tisch. Sie vereinbarten halbfreie Wahlen: 161 der 460 Sitze im Sejm waren frei wählbar, die Solidarność gewann 160 davon im ersten Wahlgang.
- Am 9. Oktober 1989 zogen in Leipzig rund 70.000 Menschen mit dem Ruf „Keine Gewalt!“ durch die Innenstadt. Achttausend Sicherheitskräfte standen bereit. Ohne Einsatzbefehl aus Berlin zogen sie sich zurück.