Ein eisiger Februarmorgen in einem Schrebergarten am Dobbenteich in Oldenburg: Heinrich Möller, achtundsiebzig, bringt seiner Grünkohlpflanze warmes Wasser mit Zucker, so wie jeden Morgen seit 1977. Er nennt sie die Palme. Grünkohl wird höchstens zwei Jahre alt, diese Pflanze lebt seit siebenundvierzig Wintern. An diesem Morgen antwortet sie ihm.
- Heinrich Möller
- Wurde 1977 auf der Kohlfahrt mit seinen Freunden Grünkohlkönig. Mit seiner Pflanze spricht er Platt.
- Die Palme
- Die Grünkohlpflanze in der hintersten Ecke seiner Parzelle, unter einer selbstgebauten Plane.
- Erzähler
- Führt durch den Frostmorgen im Kleingarten.
Gut zu wissen
- Als erste Kohlfahrt gilt eine Winterwanderung von Turnern des Oldenburger Turnerbunds am 15. Januar 1871: über Wiefelstede nach Rastede, mittags gab es Kohl mit Schwein und Würsten. Das Wort Kohlfahrt ist seit 1880 belegt.
- Kohlköniginnen und Kohlkönige gibt es bei vielen Kohlfahrten. Die Stadt Oldenburg kürt ihre eigene Kohlmajestät seit 1956 beim „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“, erst in Bonn, seit 1998 in Berlin. 2001 war es Angela Merkel.
- Grünkohl verträgt je nach Sorte bis zu minus 15 Grad. Für den mild-süßlichen Geschmack genügen kühles Wetter und Zeit auf dem Feld, dann wandelt die Pflanze Stärke in Zucker um. Frost braucht sie dafür nicht, anders als lange angenommen.