Die Handschrift

Drama, 19 Minuten, bedrückend

Bochum, Schauspielhaus, der letzte Abend der Saison. Nach der letzten Vorstellung der „Medea“ drängt ein Rohrbruch das ganze Ensemble in eine einzige Garderobe. Am geteilten Schminktisch, vor einem Spiegel mit zwei flackernden Glühbirnen, sitzen Lena, die gerade die Medea gespielt hat, und Judith, die im Chor stand. Lena ist sicher: Das ist ihre Handschrift, dieses Stück gehört ihr.

Wer spricht

Judith
Achtundvierzig und seit zwanzig Jahren fest im Ensemble. In der Medea steht sie im Chor.
Lena
Spielt in dieser Saison die Medea. Heute Abend gab es Standing Ovations.
Erzähler
Begleitet die beiden durch den Abend in der Garderobe.

Gut zu wissen

  • Euripides brachte die Medea 431 v. Chr. in Athen auf die Bühne. Im Wettbewerb der Dionysien wurde er damit Dritter und Letzter, hinter Euphorion und Sophokles.
  • Thymos, das Wort in Judiths Medea-Zitat, kommt aus dem Altgriechischen. Es bedeutet Herz, Gemüt, Mut und Leben.
  • Das Schauspielhaus Bochum gibt es seit 1919. Mit Peter Zadek als Intendant etablierte sich dort ab 1972 das Regietheater. Unter Claus Peymann galt das Ensemble ab Anfang der 1980er Jahre als innovativstes Theater der Bundesrepublik.

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Die Handschrift

Ein Hörspiel von Nachklang. 19 Minuten.