Drei Uhr nachts in der Notrufzentrale München. Thomas Vetter sitzt allein an Station sieben und zählt die Stunden bis Schichtende. Dann klingelt Linie eins: Marina Kowalski flüstert, dass jemand in ihrem Haus ist. Thomas schickt einen Streifenwagen in die Lindenhofstraße vierzehn und bleibt bei ihr am Telefon, während sie eine Kommode vor die Schlafzimmertür schiebt.
- Thomas Vetter
- Zweiundfünfzig Jahre alt, achtundzwanzig davon im Dienst. In dieser Nacht nimmt er die Notrufe an.
- Marina Kowalski
- Die Anruferin. Sie hat sich im ersten Stock eingeschlossen und hört unten jemanden in der Küche.
- Erzähler
- Begleitet Thomas durch die Nachtschicht.
Gut zu wissen
- Wer in München die 110 wählt, landet in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums. Sie bearbeitet jährlich rund 530.000 Notrufe, im Schnitt beinahe einen pro Minute.
- Bis Anfang der 1970er musste man in der Bundesrepublik die Notrufnummer vor allem auf dem Land im Telefonbuch nachschlagen. Erst 1973 beschlossen Bund und Länder 110 und 112 für alle, nach dem Tod des achtjährigen Björn Steiger und dem Kampf seiner Eltern.
- Wer Hilfe holen muss, ohne aufzufallen, kann über nora, die offizielle Notruf-App der Bundesländer, einen Stillen Notruf absetzen. Die Leitstelle schreibt dann nur im Chat und ruft nicht zurück.